Zum November 1964 besteht die Deutsche Hochschule für Filmkunst im zehnten Jahr. 215 Studierende haben bis dato ihr Studium abgeschlossen. Zur DHF gehört
- das Institut für Aus- und Weiterbildung mit den Fachrichtungen bzw. Meisterklassenbereichen Regie, Kamera, Szenaristenausbildung, Filmwissenschaft, Produktion und Schauspiel
- das Institut für Filmwissenschaft mit den Abteilungen:
a) Theorie und Geschichte des Films
b) Dokumentation und Information
c) Redaktion und “film. Wissenschaftliche Mitteilungen” - die Abteilung Marxismus-Leninismus
- die Abteilung Fachschulausbildung mit den Fachrichtungen für die ingenieurtechnischen Bereiche und der Fachrichtung Schnitt
- die Abteilung für Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter*innen des Lichtspielwesens.
"Es sind im Laufe der Jahre eine Reihe interessanter Diplom- und Jahresabschußfilme entstanden wie "Tonka", "Notwendige Lehrjahre", "Die erste Seite einer Chronik", “Sorgenkinder”, “Das Spiel”, "Seine 43.", "Die Überzeugungsmethode", "Kleine Ergänzung" u.v.a.m. Die Studenten Roth und Schlegel inszenierten 1963 eine interessante und gelungen Bühne-Film-Kombination: "Romeo, Julia und die Finsternis", die viel Beachtung fand. Die Hochschule erhielt 1957, 1959 und 1962 auf den Internationalen Filmseminaren der Weltfestspiele der Jugend und Studenten für ihre Filmbeiträge ehrende Medaillen", heißt es in einer aus diesem Anlass publizierten Infobroschüre.
Dazu kommt die Erkenntnis, dass "der quantitative Nachholbedarf an Nachwuchskadern unserer Studios" annähernd gedeckt sei. "Als logische Konsequenz ergibt sich daraus, das Ausbildungsprinzip und die organisatorische Struktur der Hochschule zu verändern, d.h. die Qualität der Ausbildung wie des auszubildenden Nachwuchses selbst, vorrangig, in den Mittelpunkt unserer Arbeit zu stellen und der Weiterbildung bereits in der Praxis Tätiger erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wir glauben, daß das neue Ausbildungssystem, wie es sich in dem vorliegenden vorstellt, die erforderliche Einheit von Theorie und Praxis aus allen Gebieten der Lehre und Forschung garantiert."
Rektor Kurt Maetzig fokussiert in seinem Vorwort besonders auf die Kunst: "Wir gingen vor zehn Jahren mit viel gutem Willen, aber ohne Erfahrungen an den Aufbau der Schule. Es ist verständlich, daß unsere Studenten ebenso wie wir selbst oft unzufrieden mit unseren Leistungen waren und sind, aber das ist eine gesunde Unzufriedenheit, die Besseres fordert, keine Ablehnung einer Hochschulausbildung für die Film- und Fernsehberufe." Und weiter mit Blick auf die gestiegenen Erwartungen an die Qualität von Filmen: " Diese erhöhten Erwartungen können auf die Dauer nur von echten Kunstwerken erfüllt werden, denn immer mehr Menschen werden von der sozialistischen Kulturrevolution erfaßt und seichter Konfektionsfilme überdrüssig. Deshalb hat die Filmkunst in unserer Republik, davon bin ich überzeugt, eine große Zukunft, und die wichtigste Entwicklungstendenz ist die Tendenz zur Kunst."
In der von der Hochschule herausgegebenen Reihe “film. Wissenschaftliche Mitteilungen” erscheint ein “Sonderheft anläßlich des 10 jährigen Bestehens der Deutschen Hochschule für Filmkunst. Oktober 1964” mit dem Ziel über die Entwicklung der Hochschule zu informieren, aber auch einen Einblick “in die Probleme und Ergebnisse der Arbeit von Studenten, Absolventen und Angehörigen des Lehrkörpers” zu vermitteln und schließlich an der Praxis zu überprüfen. “Die bisherigen Studienprinzipien ließen eine kontinuierliche Verbindung zur Praxis, besonders die Teilnahme an Filmvorhaben (Filmpraktika), nicht in ausreichendem Maße zu", schreibt Günter Althaus und konstatiert, dass z.B. “die für eine erfolgreiche Arbeit mit dem Film nun einmal erforderliche Lebenskenntnis” bei den jungen Studierenden nur schwerlich zu erwerben sei und diese für die Aufnahme “in der Regel nicht den Nachweis eigenschöpferischer Arbeiten in dem Umfang erbringen konnten, um beiderseist gerechte Entscheidungen treffen und verantworten zu können." (Althaus, Günter, 1964).