Während der 20. Olympischen Sommerspiele in München überfielen am frühen Morgen des 5. September acht bewaffnete Terroristen - sie gehörten der palästinensischen Organisation "Schwarzer September" an, einem Ableger der PLO - das Wohnquartier des israelischen Teams im olympischen Dorf in München. Zwei Sportler wurden ermordet und neun weitere als Geiseln genommen. Nach ergebnislosen Verhandlungen kam es in der Nacht zum 6. September auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck zu einem misslungenen Befreiungsversuch, bei dem alle neun israelischen Geiseln, ein Polizist sowie fünf der acht Geiselnehmer getötet wurden.
"Im Herbst 1972 fand in der Mensa der HFF eine gespenstische außerordentliche Studentenvollversammlung statt, von palästinensischen Studenten initiiert und der FDJ-Leitung der Schule unterstützt. Sie befaßte sich mit dem entsetzlichen Ereignissen während der Olympischen Sommerspiele in München, als palästinensische Extremisten das Leben eins großen Teils der israelischen Olympiamannschaft auslöschten. Die palästinensischen Ideologen verteidigten auf dieser Vollversammlung den Mord an den unschuldigen isrealischen Sportlern als legitimen Einsatz im Kampf der Palästinenser gegen den feindlichen israelischen Staat. Niemand von den anwesenden Studenten wagte einen Einspruch. Der Saal der Kunsthochschule war widerstandslos in der Hand der Verteidiger von Mord und Totschlag, Die Hochschulhierarchie billigte stillsschweigend das Ergebnis der gespenstischen Veranstaltung, Semesterbeginn anno 1972", erinnert sich Egbert Lipowski (Schättle, Horst, 2004, S. 81).
Wurde die Gründung Israels von der DDR noch ausdrücklich begrüßt, so änderte sich das Verhältnis mit der zunehmenden Blockkonfrontation im “Kalten Krieg”. Israel wurde dem kapitalistischen Lager zugeordnet und zunehmend als Vorposten des westlichen Imperialismus im Nahen Osten betrachtet und von der DDR nie völkerrechtlich anerkannt. Enger dagegen wurden die Beziehung zu arabischen Staaten und auch zur Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), die wie die DDR nach Anerkennung ihres Staates strebte. Man könne nicht verhehlen, lautet 1972 ein Kommentar im DDR-Fernsehen, "dass uns von den politischen Auffassungen der israelischen Regierung, von der aggressiven Politik, die sie im Nahen Osten betreibt, Welten trennen. Wir standen und wir stehen an der Seite des gerechten Kampfes der arabischen Völker" (siehe Hufmann/Unger). 1975 unterstützte die DDR aktiv die UN-Resolution 3379, in der der Zionismus als "eine Form von Rassismus und Rassendiskriminierung" verurteilt wurde.
Die offizielle Haltung der DDR wirkte auch in die konkrete Hochschulpolitik. So zum Beispiel im Fall von Michael Kann, der von 1975 bis 1979 Regie an der HFF studierte und mit dem Film NATALJA DIR, DIR ISAAK diplomierte. Der zunächst mit der Note 5 bewertete Film fand nicht nur Anklang in der westlichen Presse und wurde 1980 im DDR-Fernsehen gezeigt, sondern erhielt zahlreiche Festival-Einladungen - offenbar bis hin zu den Student Academy Awards in den USA, was wohl unter der Hand von den DDR-Behörden verhindert wurde. Eine Begründung lieferte - laut Michael Kann - später Rektor Konrad Schwalbe: der ”jüdische Stoff" eines “jüdischen Autors”, die “Einladung durch die ”amerikanisch-jüdische Lobby" und Kann käme selbst “aus so einer Familie”, da sei man “wachsam geworden”. (Vgl. Schoß, Lisa, 2022)
Der Diplomfilm von Klaus Streiber mit dem Arbeitstitel “Genosse Alphabet” - das Porträt eines israelischen Juden, der seit den 60iger Jahren in der DDR lebte - wurde im Herbst 1974 von Karl-Eduard v. Schnitzler verboten und von der Hochschule vernichtet, gemäß Vernichtungsprotokoll von 1975.
Dr. Horst Zeun, 1972 bis 1984 Direktor bzw. Prorektor für Erziehung und Ausbildung, erinnert sich an das Studienjahr 1977/78 in einem Beitrag über das Ausländerstudium an der HFF: “Zu einer Veranstaltung hatte die Gruppe palästinensischer Studenten einen progressiven israelischen Dokumentaristen eingeladen. Anhand seines Films über die Ziele und die Taktik der Verdrängung und Ausrottung des palästinensischen Volkes schilderten sie den Mitstudenten aus der DDR das eigene Schicksal und das ihrer Familien. Durch die Veranstaltung konnte das Verständnis für den komplizierten nationalen Befreiungskampf des palästinensichen Volkes wesentlich vertieft werden.” (Albrecht, Hartmut, 1979, S.44)
Erst in den 1980er-Jahren kam es zu einer Annäherung der DDR an Israel. 1987 empfing Erich Honecker Rabbi Israel Miller, den Präsidenten der Conference on Jewish Material Claims against Germany, und es wurden weitere Kontakte zu jüdischen Persönlichkeiten etabliert. Auf wissenschaftlicher Ebene wurde die Zusammenarbeit mit der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem gesucht und anlässlich des Gedenkens an die Novemberpogrome im Jahre 1988 erstmalig offiziell Vertreter Israels eingeladen.
Der Regisseur und Hoschulabsolvent Konrad Weiß war es schließlich, der kurz nach dem Mauerfall eine Israel-Resolution initiierte. Im April 1990 bat die erste frei gewählte Volkskammer „die Juden in aller Welt“ um Verzeihung für „Demütigung, Vertreibung und Ermordung jüdischer Frauen, Männer und Kinder“. Auch „das Volk in Israel“ wurde um Verzeihung gebeten „für Heuchelei und Feindseligkeit der offiziellen DDR-Politik gegenüber dem Staat Israel und für die Verfolgung und Entwürdigungen jüdischer Mitbürger auch nach 1945 in unserem Lande“. Weiter hieß es in der Resolution: „Wir erklären, uns um die Herstellung diplomatischer Beziehungen (…) zum Staat Israel bemühen zu wollen.“ (Vgl. Reich, Anja, 2024)