1968 schlagen die Truppen des Warschauer Paktes, darunter auch Soldaten der ostdeutschen Nationalen Volksarmee, die friedlichen Proteste des „Prager Frühling“ in der Tschechoslowakei nieder. Dagegen regt sich Protest. "1968 war ein sehr, sehr wichtiges Jahr in der DDR", erinnert sich Autorin Christa Wolf in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau 2019. "Was in der DDR Beine, Ohren und Augen hatte, war vollkommen besessen von dem, was in der CSSR passierte. Zuerst von den Dubcekschen Reformen und dann vom Einmarsch in Prag. […] So interessiert waren die Leute. Nicht ein paar Intellektuelle, sondern viele DDR-Bürger." Laut Historiker Bernd Eisenfeld (im Interview mit der bpb) waren es vornehmlich "Arbeiter, die spontan auf die Niederschlagung des Prager Frühlings reagierten. Man riss solche Leute aus ihren Arbeitskollektiven und verurteilte sie wegen staatsfeindlicher Hetze, weil sie spontan ihren Widerspruch geäußert hatten. Meistens wurden dann diejenigen rausgefischt, die das MfS auch vorher schon im Visier hatte. Man wartete nur die Gelegenheit ab und hatte jetzt die Beweisfähigkeit, um sie vor Gericht zu verurteilen. Ich war schon überrascht, wie viele sich gewehrt hatten."
An der Filmhochschule erklärten vor allem Studierende der Fachrichtung Dramaturgie ihr Unverständnis gegenüber der SED-Politik. Eine ganz Klasse steht vor der Exmatrikulation. Darunter auch Thomas Brasch, Sohn des stellvertretenden Kulturministers Horst Brasch. Er stellte im Laufe des 22. August gemeinsam mit Rosita Hunzinger, Erika Berthold und Sanda Weigl rund 500 handgeschriebene Flugblätter her: „Warschauer Vertrag raus aus Prag!“, „Es lebe das rote Prag!“, „Hoch Dubcek!“. Ihre Losungen verteilen sie in der Nacht in Telefonzellen und Hausbriefkästen. Thomas Brasch wird verhaftet und am 28. Oktober 1968 zu jeweils zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Die Haftstrafe wird ausgesetzt, Thomas Brasch jedoch von der Hochschule relegiert. Mehrere Kommilitonen gerieten ins Visier der Sicherheitsbehörden. Der ehemalige Regie-Student (1984-1998) und jetzige Professor an der Filmuni Andreas Kleinert wurde für die Regie an dem Kinofilm LIEBER THOMAS (2021), eine Filmbiografie über Thomas Brasch, 2022 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Das Kunstwerk "Fünf Masken für die Nacht" von Alexander Polzin erinnert an der Filmuni an den Alumnus.