Seit Anfang der 50er Jahre förderte die DDR die Aufnahme ausländischer Studierender an Universitäten, Hoch- und Fachhochschulen. “Die Vergabe von Studienplätzen folgte keinen hochschul- oder wissenschaftspolitischen Erwägungen des Studienlandes, war niemals langfristigen strategischen Überlegungen untergeordnet, sondern erfolgte vorwiegend nach außenpolitisch determinierten Vorgaben des ZK der SED - mitunter scheinbar zufällig entsprechend der jeweiligen politischen Großwetterlage (…) nach Anstößen, die von außen kamen und solidarisches Reagieren einforderte” (Basse, Lutz). In der Regel war der Erhalt eines Studienplatzes an eine Delegierung auf Basis bilateraler Regierungsvereinbarungen oder Verträge gebunden. "Das “Ausländerstudium" erfüllte in erster Linie eine wichtige Funktion in der Außenpolitik der DDR: Mit der Ausbildung ausländischer Fach- und Führungskräfte wurde die wissenschaftlich-kulturelle Zusammenarbeit mit den sozialistischen "Bruderländern" intensiviert. Darüber hinaus war es Teil des Engagements in der sogenannten Dritten Welt und galt dem offiziellen Sprachgebrauch zufolge als “Ausdruck der Solidarität und engen Verbundenheit der DDR mit den national befreiten Ländern und den um Befreiung ringenden Völkern“ (Brombach, Ilka, 2018).
Das galt auch für die Babelsberger Filmhoschhule, die schon früh Studierende aus dem Ausland immatrikulierte - 31 ausländische Absolvent*innen konnten in den ersten 10 Jahren verzeichnet werden. “Die für deutsche Bewerber*innen obligatorische Eignungsprüfung wurde nicht verlangt. Nach einem studienvorbereitenden Sprachkurs kamen die Student*innen direkt an die Hochschule. Erst ab Mitte der 1960er-Jahre wurde ein vorheriges Volontariat beim DDR-Fernsehen oder bei der DEFA verbindlich”(Brombach, Ilka, 2018). Wie in einer "Information über Studienmöglichkeiten für Bürger anderer Staaten" zu entnehmen ist - diese war der Studienbroschüre zum 10. Jubiläum der Hochschule 1964 beigelegt - wurden zu der Zeit “spezielle Klassen” für ausländische Studierende eingerichtet.
John Green (1964-1968) erinnert sich: "Ich begann mein Kamerastudium an der Filmhochschule für Filmkunst 1964. Ich war der einzige britische Student, der damals in der DDR studierte. Der Kalte Krieg war voll im Gange. Für mich war das jedoch nicht abschreckend, sondern der Beginn eines Abenteuers, der Eintritt in eine andere Welt. Die Vorstellung, in einem sozialistischen Land zu studieren, war attraktiv, denn ich wollte das kreative Potential des Films mit sozialer Verantwortung verbinden. Damals war die allgemeine Vorstellung, dass ich vom KGB entführt oder einer Gehirnwäsche unterzogen, eventuell auch eingesperrt werden würde. Viele im Westen nahmen an, dass die DDR eine russische Kolonie sei, wo nur Russisch gesprochen wurde. Ich hatte zwar einige Bedenken aber war auch aufgeregt, dass ich nun in einem sozialistischen Land leben würde. (...) Ich hatte Kommilitonen aus aller Welt: aus Lateinamerika: zwei aus Guatemala, einer Costa Rica, zwei aus Kuba und einer aus Venezuela; aus Afrika kam ein Sudanese, einer aus Äthiopien, zwei aus dem Irak; dazu noch zwei aus Indien, einer aus der Mongolei sowie zwei junge Frauen aus Bulgarien. Dazu gehörte auch Jerzy Zweig, der als Buchenwald-Kind bekannt war. Wir waren eine bunte Truppe mit vielen Sprachen und Unterhaltungen waren oftmals kompliziert. Hinzu kamen die verschiedenen emotionalen und psychologischen Konflikte, die sich meist wegen Beziehungen zu Mädchen oder durch verletzten Stolz ergaben. Doch im Großen und Ganzen verstanden wir uns großartig. Wir wohnten alle sehr nah beieinander, unweit der Hochschule, so dass sich eine enge freundschaftliche Atmosphäre entwickeln konnte.
In der Jubiläumsschrift 1974 heißt es: “Eine der selbstverständlichen Konsequenzen der Gründung unserer sozialistischen Bildungsstätte sehen wir darin, daß im Geiste des proletarischen Internationalismus, der aktiven anti-imperialistischen Solidarität im Laufe dieser zwanzig Jahre 101 Studenten aus 36 Ländern ihr Studium erfolgreich abschließen konnten” (Schmidt, Margarete, 1974)