Kaum einer anderen Fernsehsendung ist wohl so viel Aufmerksamkeit gewidmet worden wie dem Format Big Brother. Zum ersten Mal 1999 in den Niederlanden ausgestrahlt feiert die Show Erfolge in fast 70 Ländern und entwickelt sich zu einem 'Quotencoup' vor allem in einer werberelevanten Zielgruppe der unter 30-jährigen. Die Sendung gilt als das Fernsehereignis zu Beginn des neuen Jahrtausends. In Deutschland läuft die erste Staffel vom 28.02. bis 09.06.2000 auf RTL 2.
Dieses außerordentliche Phänomen führt an der HFF im zur Bildung einer Arbeitsgruppe im Bereich Fernsehwissenschaft. Unter der Leitung von Prof. Dr. Lothar Mikos ist es das erklärte Ziel zu analysieren, worin genau die Faszination besteht. Katja Herzog und Verena Veihl untersuchen die Erzählperspektive der Sendung und ihre Inszenierungsstrategien. Patricia Feise analysiert das Verhalten der Bewohner*innen und befasst sich mit dem popkulturellen Phänomen Zlatko. Elizabeth Prommer befragt die Zuschauer*innen, was sie von der Sendung halten. Darüber hinaus wird „Big Brother” in die Geschichte der Unterhaltungsformate im dualen Rundfunksystem und in die Entwicklung der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland eingeordnet. Nur in diesem Kontext wird deutlich, warum dieses Format entstehen und warum es so erfolgreich werden konnte. Ergebnis der Arbeit ist eine Publikation in der HFF-eigenen Schriftenreihe „Beiträge zur Film- und Fernsehwissenschaft”.
Der VISTAS-Verlag, in dem das Buch erscheint, sieht in der Arbeit einen Beleg dafür, „dass wissenschaftliche Arbeit schnell und zeitnah auf aktuelle Medienphänomene reagieren kann”. Die Publikation erfreute sich nicht nur in der Fachpresse breit wahrgenommen. “Das Buch von Mikos und seinen Mitarbeiterinnen muss als sorgfältige medien-wissenschaftliche Studie gewürdigt werden. Es hat einen deskriptiven Zugang und bewertet das Format nicht anhand normativer Kriterien. Die normative Bewertung würde eher in den Bereich der Medienethik und des Medienrechts fallen. Nicht nur allein die mit zahlreichen Beispielen (aus den Big Brother-Folgen) untermauerte Analyse macht die Lektüre so spannend, sondern auch die soziologische Einordnung des Formats innerhalb der deutschen Fernsehlandschaft. Die Studie zeigt zugleich, dass Medienwissenschaftlerinnen Medienphänomene schnell aufgreifen und sich in diesem Sinne an aktuellen Diskursen beteiligen”, so Thomas Bohrmann in: Sammelrezension: Big Brother: Medienwissenschaftliche und medienrechtliche Analysen. In: MEDIENwissenschaft: Rezensionen | Reviews, Jg. 18 (2001), Nr. 2, S. 215–221.
Ariana Mirza in der Neuen Westfälischen: “Was bei der brandaktuellen Untersuchung herausgekommen ist, liest sich spanen und ist erhellend.”
Nikolaus von Festenberg in DER SPIEGEL vom 08.10.2000: “Zu den spannenden Kapiteln der Potsdamer Studie gehört die Beschreibung, wie sich die »Big Brother«-Bewohner der ersten Generation immer wieder der Soap-Zurichtung entzogen, auf die der Sender sie festlegen wollte."