Die „neue Wellen“ - sich seit den späten 1950er Jahren in verschiedenen Filmnationen formierende Erneuerungsbewegungen, die das Kino eher auf andere ästhetische und politische Ziele verpflichten wollten als pure Unterhaltung - bewegen auch die Studierenden in Babelsberg. So schreibt Winfried Junge im "Forum" Berlin vom 16.12.62 über seine Komilitonen Jürgen Böttcher, Christian Lehmann und Hans Leupold: "Wir haben in vielen Fragen sehr verschiedene Ansichten und Pläne. Unsere Filme lassen sich, so verschiedenartig sie sind, jedoch in einem Punkt vergleichen: Sie sind Versuche zur Vertiefung der Reportage, Versuche, den Dokumentarfilm von vielem Unspezifischem zu befreien. Ehe wir gestalten, wollen wir beobachten lernen, wollen lernen, nicht die Wirklichkeit unseren Vorstellungen dienstbar zu machen, sondern umgekehrt, uns in den Dienst der Wirklichkeit zu stellen - ihr bescheidener Diener zu sein."
Nachdem ein Senatsbeschluss im Juli 1962 die Bildung von Studentenkollektiven bestätigt hatte, grüden über 30 Kommilitonen der DHF, darunter auch Rainer Simon, Egon Schlegel, Claud Dobberke oder Günter Meyer, das so genannte "Kollektiv 63" und fordern unter anderem, nur Gegenwartsfilme über das Leben in der DDR zu drehen, mit authentischem Anspruch und allen Widersprüchen und Grenzen, die eben auch die Hoffnungen und Ängste der Jugend widerspiegeln sollen. “Es wird eine Arbeitsweise angestrebt, die den für ein Gegenwartskunstwerk nötigen lebendigen Kontakt zu unserer Wirklichkeit garantiert, z.B. längere Zeit in Betrieben, Schulen usw. zu arbeiten, die Stoffe an Ort und Stelle des Geschehens zu erarbeiten, sie mit den in diesen Verhältnissen lebenden und arbeitenden Menschen zu diskutieren usw.”, formuliert es Egon Schlegel 1964 in einem Artikel “Kollektiv 63 oder Wirklichkeit, Notwendigkeit und neue Wege” (Althaus, Günter, 1964, S. 38 ff.). Ziel war es auch, u.a. im Rahmen von selbstorganisierten Filmvorführungen “den Meinungsstreit mit möglichste vielen Menschen zu suchen. (…) Wir sprachen mit Arbeitern, Studenten, Lehrern, Oberschülern - und wir erfuhren Dinge, die man in keinem Filmforum erfährt und bei einem Brigadebesuch erkennt.”
“Rektor, Senat und Dozenten unterstützen die Bildung des ”Kollektivs 63", einer künstlerischen Organisation der FDJ an der Hochschule" laut Günter Althaus. Aber nicht alle Studierenden waren mit den Forderungen einverstanden, so waren sie z.B. den Dramaturgiestudenten zu dogmatisch.
Kamerastudent Dieter Mucke verfasst im Zusammenhang mit dem VI. Parteitag der SED (15. – 21. Januar 1963) seine Schrift "Hic et Nunc!" Dort schriebt er: "Erwarten nicht manche Dozenten und Studenten vom VI. Parteitag eine Art Deus ex machina, der plötzlich alle Probleme lösen soll, die nur hier und jetzt, einzig und allein durch den Mut zur erkannten Wahrheit gelöst werden können? ... Aber zu schweigen, da zu reden notwendig wäre, bedeutet für einen künstlerisch arbeitenden Mensch Selbstaufgabe, Stagnation seiner schöpferischen Potenz, wenn auch auf diese Weise mitunter leichter ein Diplom zu ergattern ist." Er wurde im gleichen Jahr relegiert.