Die regelmäßige stattfindende Dokumentarfilm Masterclass führte Studierende 2012 nach Jenin ins Westjordanland. Im September und Oktober drehten hier HFF-Studierende im Rahmen eines 3-wöchigen Workshops unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Stanjek und Kamera-Dozent Hanno Kunow gemeinsam mit palästinensischen Teams Kurzfilme. “„Wir wollen die palästinensischen Filmemacher bei der dokumentarischen Darstellung ihrer spannungsgeladenen und oft demütigenden Lebenssituation unterstützen“, erklärt Klaus Stanjek. Unter seiner Leitung sollen die deutschen und palästinensischen Teilnehmer noch bis zum 11. Oktober in Seminaren und praktischen Übungen Techniken für die Herstellung eines kurzen Dokumentarfilms kennenlernen. Vermittelt wird Grundwissen zur Recherche, dramaturgischen Strukturen, Kameraarbeit oder zum Umgang mit Sprache.” (PNN 05.1.2012)
Das Projekt kam auf Anregung und Einladung des Goethe-Instituts Ramallah zustande als deutsch-palästinensische Kooperation, gemeinsam finanziert vom Goethe-Institut und der HFF. Entstanden sind fünf Dokumentationen zum Thema “Small changes - slight surprises”, die sich mit alltäglichen Problemen der Menschen in Palästina abseits des in den Medien thematisierten Dauerkonflikts mit Israel beschäftigen.
EID GIFT (Regie: Ameen Nayfeh und Alex Koryakin, 20:00 min) geht der Frage nach, was den Menschen in Palästina das Geschenk Israels bedeutete, das 400.000 von ihnen an Ramadan und den darauffolgenden Feiertagen Eid ul-Fitr die Ausreise mittels Passierschein gestattete. In ARIFA (Regie: Johanna Ickert und Yafa Atef, Kamera: David Schittek, 19:00 min) trifft die 80-jährige Arifa eine folgenschwere Entscheidung. Um ihrer gesellschaftlichen Isolation zu entkommen und ein neues Leben zu beginnen, will sie wieder in die Schule gehen. YOM BASSAL YOM ASSAL - DAYS LIKE HONEY DAYS LIKE ONION (Regie: Muath Mishal und Daniel Carsenty, 17:00 min) dokumentiert eine Reise zu den Beduinendörfern in den Hügeln von Hebron, die für die Filmemacher zu einer Odyssee jenseits der Grenze wird. In LOVE WITH A GERMAN (Regie: Sameer Qumsiyeh und Anne Münch, 21:45 min) bekommt Sameer überraschend ein Schengen-Visum um seine Freundin in Bremen zu besuchen. Ein Besuch in Auschwitz steht auch auf seinem Programm. CINEMA JENIN (Regie: Ceylan Rohrbeck und Ghassan Shosha, 6:00min) beleuchtet in wenigen Minuten die Haltung der Einwohner Jenins gegenüber europäischen Projekten wie dem Kinos in Jenin.
Am 11. Oktober feierten die Filme im Cinema Jenin ihre erste Premiere. Wieder in Deutschland präsentierten die Studierenden Anne Münch, Johanna Ickert („Energieland“) und Alexander Müller aus dem Studiengang Regie, die Kameraleute David Schittek und Daniel Carsenty sowie die Produktionsstudentin Çeylan Rohrbeck am 20. Dezember ihre Erlebnisse und Erfahrung aus dem Workshop sowie ihre FIlme dem deutschen Publikum im Berliner Eiszeit Kino und stellen sich den Fragen. Stellvertretend für das palästinensische Team war Ameen Nayfeh - Produzent, Regisseur und Absolvent des Red Sea Institute of Cinematic Arts (RSICA) – zu Gast.
Dazwischen eine gewichtige politische Entwicklung: Am 29. November 2012 hatte die UN-Vollversammlung in New York Palästina mit großer Mehrheit zum Beobachterstaat innerhalb der Vereinten Nationen aufgewertet, das heißt u.a., dass die Palästinenser im Sicherheitsrat und in der Generalversammlung – sofern sie betroffen sind – an Diskussionen teilnehmen und Resolutionen einbringen können.
Die internationale Premiere der Filme folgte Ende Dezember 2012 in Jerusalem und Ramallah im Rahmen des Kurzfilmfestivals SHORTAT des Al-Kasaba Theatre and Cinematheque.