Der Bundeswettbewerb deutschsprachiger Schauspielstudierender – im allgemeinen Sprachgebrauch auch Schauspielschultreffen – findet seit 1990 jedes Jahr am Standort eines der teilnehmenden Schauspielausbildungsinstitute statt. Er wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und von der Europäischen Theaterakademie GmbH „Konrad Ekhof“ Hamburg organisiert und veranstaltet. Ziel des Wettbewerbs zur Förderung des Schauspielnachwuchses ist es, jungen Schauspieler*innen im deutschsprachigen Raum eine Plattform zur Präsentation studentischer Inszenierungen und damit des Ausbildungsstandes zu bieten.
Vom 25. Juni bis zum 1. Juli 2000 ist die HFF zum ersten Mal Gastgeberin und lädt zum 11. Schauspielschultreffen ins Potsdamer Hans Otto Theater ein. "Es ist wieder soweit. Das Theatertreffen Deutschsprachiger Schauspielstudenten findet in diesem Jahr in Potsdam statt. Das ist nicht unbedingt der günstigste Zeitpunkt für uns, denn wir sind mitten im Umzug in unser neues Haus auf dem Babelsberger Studiogelände und hätten Euch natürlich viel lieber dort begrüßt, und so versuchen wir, das Unmögliche möglich zu machen. Es ist ja überhaupt wunderbar, dass dieser Wettbewerb trotz der allgemeinen finanziellen Kürzungen immer noch stattfinden kann. Dass wir in positiver und produktiver Konkurrenz uns aneinander messen, Erfahrungen und Probleme besprechen und uns darüber streiten können, wie denn dieser merkwürdige, so äußerst komplizierte, nervige und nervende und doch so wunderbare Beruf zu vermitteln oder zu erlernen ist. Eines ist sicher: Wir bilden Künstler aus!
In einer Zeit, wo der Anspruch an Kunst immer flacher wird, der Einfluss der Medien mit ihrer Trashkultur, die nicht nach Qualität, sondern Verkaufswert urteilt, immer stärker, ist es wichtig, neben der Ausbildung der handwerklichen Mittel, der wahrscheinlich einzig greifbaren Seite beim Vermitteln dieses Berufes, auch die ethisch-moralische Komponente mit Nachdruck zu benennen. Es ist die Leidenschaft, der künstlerische Anspruch, das politische Denken, die Unbedingtheit, das Anarchische und Anarchistische, was einen guten Schauspieler ausmacht. Wir sind keine normalen Menschen. Außergewöhnliche Kunstleistung ist nicht normal, sonst wäre das Normale bereits ein Erlebnis. Aber gerade das Außergewöhnliche bringt das Publikum ins Theater und in die Kinos. In diesem Sinne lasst uns mit viel Lust, Leidenschaft und Zuneigung einander betrachten und darüber sprechen und streiten, wie man „schau“spielen soll", schreibt Prof. Peter Zimmermann im Vorwort zur Dokumentation.
Die HFF geht mit „Der Diener zweier Herren“ von Carlo Goldoni in den Wettbewerb und stellt sich der Jury aus Frank Beyer (Regisseur), Verena Buss (Schauspielerin, Regisseurin), Adolf Dresen (Regisseur), Gabriele Gysi (Regisseurin) und Günther Rühle (Theaterhistoriker und -kritiker).
Erst viele Jahre später vom 18. bis 25. Juni 2023 kommen Schauspielstudierende erneut nach Potsdam, um wechselseitig ihre Arbeiten in nicht öffentlichen Vorstellungen zu präsentieren und mit ihren Inszenierungen in den Wettbewerb zu treten.