Nach der Indochinakonferenz 1954 wurde Vietnam in eine Nordzone, die Demokratische Republik (DR) Vietnam, und eine formal unabhängige Südzone geteilt, aus der sich 1956 der Staat Südvietnam entwickelte. Die Spaltung wurde erst überwunden, nachdem die Armee Nordvietnams im Vietnamkrieg Südvietnam 1975 erobert hatte. Dem folgte am 2. Juli 1976 die Wiedervereinigung zur „Sozialistischen Republik Vietnam“. In Solidarität mit dem kommunistisch regierten Nordvietnam ermöglichte die DDR bis Mitte der 1970er-Jahre Schüler*innen, Lehrlingen, Student*innen und Wissenschaftler*innen eine Ausbildung mit dem Ziel, dass diese nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland den Sozialismus aufbauen helfen. "Vietnamesen studieren DDR-Film" titelt ein Artikel im Neuen Deutschland vom 13.10.1960, der die Ankunft von "98 Praktikanten, Studenten und Angehörige verschiedener Berufe aus der Volksrepublik Vietnam ... am Montag auf dem Berliner Ostbahnhof zu einem Studienaufenthalt in der DDR" beschreibt.
Einen Einblick in das Studium eines vietnamesischen Studenten an der DHF zu dieser Zeit gibt der Film MEINE ERLEBNISSE (1962) von Nguyen Luong Duc (Regie und Kamera). Während oft beschrieben wird, dass vietnameseische Facharbeiter nicht gesellschaftlich integriert waren, so scheint das Studium an der DHF doch von engeren Kontakten geprägt zu sein. Ob es sich nun um Kulturabende handelte oder um die gemeinsame Teilnahme am FDJ-Studentensommer - einem seit 1966 von der Freien Deutschen Jugend (FDJ) organisierten Ferienarbeitsprogramm für Studierende in der DDR. Auch nach dem Studium wird der Kontakt gehalten, so steht die “Fachrichtung Filmtechnik an der Hochschule für Filmkunst ... in regem Briefwechsel mit jungen Filmschaffenden der DRV, die hier an der Hochschule studiert haben. In einem Brief vom 10. Mai 1966 schreibt Absolvent Phang Nang Yen (Org. Text Übers.): "Schon sehr lange kann ich Ihnen nicht schreiben, obwohl ich sehr gern möchte, ich muß immer hin und herfahren. Ich bin froh, wenn ich wieder in Hanoi bin. Bis heute ist es nur noch in Hanoi etwas kriegsfrei - so sagt man -. Manchmal kommen auch schon Ami-Flugzeuge und bombardieren in der Nähe. In diesen Kriegszeiten sind nur noch Wanderkinos nutzvoll. Die meisten Kinotheater müssen zumachen, weil Ami-Flugzeuge auch sehr oft in der Nacht bombardieren. Für meine Kontrollarbeit an der Kinomaschine habe ich jetzt keinen Prüfkoffer. Ich hoffe, daß Sie mir welche besorgen können. Organisieren Sie doch und schicken Sie mir welche. Meine Arbeit wird so leichter..." (Presse-Inform.-Dokum.-Stelle Filmhochschule, Potsdam / 10.05. bzw. 20.7.1966. In der Märkischen Volksstimme, Potsdam, vom 25. Juni 1966 ist zu lesen, dass "ausländische und deutsche Studenten der Filmhochschule 2000 Unterschriften für eine Protestresolution an die UNO [sammelten], in der sie den schmutzigen Krieg in Vietnam verurteilen ...", wofür Hồ Chí Minh (1890-1969) mit einem Telegramm am 8.7.1966 der Filmhochschule seinen Dank ausspricht (Originaltext des Telegramms): "SO 8/CDDICH VA CHUYEN DIEN SAU DAY KG CAC DC THUOC CHI BO DANG XA HO I THONG NHAT DUOG BUC DIEN THAN TINH ANH EM CUA CAC DONG CHI X.IN CAM ON CACDONG CHI = HO CHI MINH". Eine anhaltende Bindung, die auch immer wieder in der Presse Niederschlag findet. So berichtet die Nationalzeitung Berlin am 25.11.1972 über das Abendprogramm auf der Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche, das "im Zeichen der Solidarität mit dem Freiheitskampf des vietnamesischen Volkes" ausgerichtet wird. Studierende der HFF sammelten dort 2.370 Mark für das Vietnam-Solidaritätskonto.
Auch nach der Wiedervereinigung der beiden vietnamesischen Staaten 1976 als SR Vietnam bleiben die Beziehungen eng, bis 1979 haben rund 30 vietnamesische Studierende in Babelsberg eine Ausbildung erhalten, die HFF unterstützt beim Aufbau einer Filmhochschule, Delegationen aus beiden Ländern besuchen einander.