Vier Jahre nach ihrer Gründung veröffentlicht die Deutsche Hochschule für Filmkunst 1958 eine Informationsbroschüre. Hier wird bereits der spätere Titel der Hochschule vorweggenommen und dem Film auch das Fernsehen zur Seite gestellt; "An der "Deutschen Hochschule für Film und Fernsehen" sollen begabte, verantwortungsbewusste und fortschrittliche junge Menschen studieren, die nach Abschluß ihrer Hochschulausbildung den großen Anforderungen auf den verschiedenen Gebieten des Filmschaffens gerecht werden. Die Zulassung zum Studium ist eine hohe gesellschaftliche Auszeichnung," ist dort einleitend zu lesen. Neben der Kunst findet auch die Forschung Betonung: "Nachdem Filmkunst, als die jüngste aber auch wirksamste und komplizierteste unter den Künsten, über fünfzig Jahre praktischer Erfahrungen verfügte, bestand nun ein von vielen Seiten geäußertes dringendes Bedürfnis, diesen Schatz zu sammeln und zu sichten. Es galt, die theoretischen Folgerungen aus den bisherigen Erkenntnissen zu ziehen und die geltenden Auffassungen über die Filmkunst im Lichte des Marxismus-Leninismus zu verwerten und zu erweitern. Mit unserer Hochschule wurde eine Stätte der Lehre und Forschung für die Spitzenberufe der Filmkunst und ihre wissenschaftlichen, technischen und ökonomischen Disziplinen geschaffen. Die Filmkunst wirkt durch ihre Einheit von Bild, Sprache und Musik in höherem Grade als alle anderen Künste auf das Bewußtsein des Menschen ein. Der Filmkünstler trägt deshalb eine große Verantwortung dafür, daß nicht ein verzerrtes und verlogenes Weltbild, sondern die Wahrheit auf die Zuschauer übertragen wird. Der Künstler, der mit dem MIttel des Films neue Werke schaffen will, muß also erst einmal selbst in der Lage sein, die historische und gesellschaftliche Wahrheit zu erkennen, um sie in vollendeter Form in seinen Werken darstellen zu können. Um den Studenten der Deutschen Hochschule für Film und Fernsehen eine feste Grundlage für diese wichtigste Voraussetzung zu geben, schließt der Lehrplan ein sorgfältiges gesellschaftswissenschaftliches Studium ein. Auf dieser Grundlage baut sich das Studium der Fachwissenschaften auf. Filme von hohem künstlerischen Niveau können nur von allseitig gebildeten Künstlern geschaffen werden. Deshalb ist das Ziel der gesamten Ausbildung an der Hochschule nicht etwa ein eng begrenztes Spezialistentum, sondern eine möglichst universelle Bildung für alle Studenten. Filmkunst ist Kollektivkunst! Grundlage der Lehrmethode an der Hochschule ist deshalb, möglichst bald die Studenten aller Fakultäten zusammenzuführen und ihnen bereits vom zweiten Studienjahr an die Herstellung eigener Filme aufzutragen. Die Deutsche Hochschule für Film und Fernsehen steht in enger Verbindung mit der DEFA, unserer volkseigenen Filmproduktion und ihren verschiedenen Studios für "Spielfilme", "Dokumentarfilme", "Wochenschauen" und "Populärwissenschaftliche Filme". Die Fakultätsleiter und viele Dozenten sind Filmfachleute aus der Praxis - und jährlich öffnet die DEFA ihre Studios für das Berufspraktikum der Studenten", beschreibt Rektor Kurt Maetzig in seinem Grußwort die Ziele.