Was ich an der HFF unheimlich genossen habe, ist, dass dort nicht alle Studenten eigentlich Regie führen wollten – was an vielen anderen Filmhochschulen nämlich der Fall ist. Sondern es gibt Tonstudenten, Schnittstudenten, Szenenbildstudenten, Schauspielstudenten, Kamerastudenten und Produktionsstudenten – was bedeutet, dass ich mir mein Team zusammensuchen konnte und nicht jeder eigentlich auf meinen Job schielte. Jeder meiner Partner war mit voller Leidenschaft für genau diese Aufgabe dabei und ich konnte viele Leute kennenlernen, die genau wie ich am Anfang standen und große Träume hatten. Und mit einigen entstand ein Band für später und es ist wunderbar, auch jetzt noch mit so begabten und zuverlässigen Menschen arbeiten zu dürfen wie Jürgen Winkelblech (Schnitt) oder Eike Hosenfeld (Musik). Ich drehte unheimlich viele Kurzfilme und einen Langfilm während meiner Zeit an der HFF.
Die größte Herausforderung war jeweils die berüchtigte Abnahme eines Filmes. Dozenten und Studenten finden sich dann zusammen in einer Vorführung und man schaut mit Herzklopfen das Werk. Dabei ging es nicht nur darum, dass der Film abgenommen wird, vielleicht eine Note erhält und man weiterstudieren kann. Sondern die wirkliche Herausforderung lag darin, mit der Kritik umgehen zu können, die man dort hörte. Aus Gründen, die mir nie wirklich klar waren, nahmen alle diese Veranstaltungen zum Anlass, den Film mal mehr, mal weniger begründet, zu verreißen. Und die Regisseure versuchten, möglichst gelassen mit dem fehlenden Lob und der nicht stattfindenden Ermunterung umzugehen. Natürlich wollte ich immer wieder gefallen, gelobt, ermutigt werden – entgegen aller vorherigen Abnahme-Erfahrungen. Da ich viel filmte, durchlebte ich viele Abnahmen und heute glaube ich, dass ich dadurch etwas lernte, wovon ich noch immer profitiere.
Ich lernte, ein inneres Kettenhemd zu tragen, wenn ich mein Filmbaby der Welt zeige, ich lernte, mich genau zu fragen, was ich erzählen möchte und wie ich es erzählen möchte, da ich es eventuell bis aufs Messer verteidigen muss. Und ich lernte, eine ordentliche Portion Gelassenheit in mir zu tragen, schließlich geht mit einem Verriss die Welt nicht unter. Und ich lernte, dass zum Schluss das Publikum entscheidet und nicht die Kritiker. Und damit die gebeutelten Regiestudenten auch mal Kontakt mit normalem Publikum erlebten, gab es damals das Festivalbüro, geführt von der wunderbaren Martina Liebnitz. Durch diese Tür zur Welt hatte ich die Möglichkeit, meine Filme bei Festivals auf der ganzen Welt anzumelden, dorthin eingeladen und gefeiert zu werden. Und damit man durch solche herrlichen Erfahrungen außerhalb der HFF nicht die Bodenhaftung verlor, konnte man sich darauf verlassen, dass einen die nächste Abnahme wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.
Dieser Text wurde 2014 anlässlich des 60. Geburtstages der Hochschule verfasst und in der PNN vom 23.10.2014 veröffentlicht