Zusammen mit Gero Steffen, dem späteren Kameramann von "Variete" und "Der unbekannte Deserteur" träumten wir schon damals vom Abenteuer einer Deutsch-Amerikanischen Coproduktion.
Es entstand die Idee zu einem abendfüllenden Spielfilm über Stasi-Agenten, die in Californien eine neue DDR gründen, das "Camp".
1991 erhielt ich eine Drehbuchförderung für diesen Stoff und investierte das Geld in einer dreiwöchigen Recherchetour durch den Südwesten der USA.
Im Reisegepäck war bereits die Videocassette von "Variete". Mit Birgit Urmsons Hilfe putzten wir (Gero Steffen, Thomas Zickler und ich) in San Franzisco und Los Angeles Klinken (Coppolas Zoetrope-Studios, Cinevox, Constantin, Michael Ballhaus u.a.), um Interessenten für das "Camp"-Projekt zu gewinnen.
Tom Luddy, Coppolas persönlicher Assistent stufte "Variete", obwohl er ihn persönlich mochte, als "european Art-Shit" ein und gab zu bedenken, daß selbst sein Meister in diesen rauhen Zeiten gezwungen sei, einen Auftragsfilm über Vampire zu machen...
Aber Kontakte blieben. Im Juni 1992 wurde "Variete" zum Festival des American Filminstituts nach Los Angeles eingeladen und stieß dort auf sehr gute Resonanz.
Das brachte mir den VIP-Status auf der "Showbiz", der wichtigsten amerikanischen Messe für Filmtechnik ein, wo ich den Spezialeffekte-Experten Robert McCarthey ("König der Fischer") kennenlernte.
Da es in Hollywood immer gut ist, schwerbeschäftigt zu erscheinen und von seinen brandheißen Projekten zu berichten, erzählte ich von meinem geplanten Diplomfilm, einer Antikriegsgeschichte, in der genregemäß natürlich auch Pyrotechnik vorkam und fragte ihn, wie man am billigsten einen Bombenangriff auf eine Ölraffinerie dreht.
Die Antwort war, daß es am einfachsten sei, die Sequenz in Hollywood zu machen, da hier die größte Ballung hochmotivierter, sponsorfreudiger Spezialisten zu finden sei.
Für Hunderttausend Mark, die Hälfte des erhofften Gesamtbudgets, sei er selbst bereit, diese "Footage", dieses Material, zu liefern...
Ich war sofort wie aufgezogen. Ein Traum könnte in Erfüllung gehen! Einmal in Hollywood drehen, und zwar schon den Diplomfim... das war absolutes Neuland! Und ein Karrierekick, eine Chance ohne Gleichen...
Die restlichen Festivaltage, die uns blieben, rasten Gero und ich kreuz und quer durch das Filmmekka, um wie ein Jahr zuvor Interessenten, Sponsoren, Coproduzenten, einen "Godfather" zu suchen...
Je mehr gute Angebote wir nach Hause brächten, um so größer wäre die Chance, unseren Traum zu verwirklichen.
Mehr als mit der politisch motivierten Grundidee, einem traurigen Einzelschicksal vor der Kulisse des nächsten Golfkrieges, überzeugten wir in L.A. mit unserer Selbstdarstellung als junge, frische Kinoverrückte.
Es gilt in Hollywood als größte Sünde, sich ein Talent durch die Lappen gehen zu lassen, das dann vielleicht ein anderer entdeckt... und ausbeutet.
Es gibt dort "Talente", die sich so über Jahre mit einem einzigen Projekt und ein paar guten Beziehungen von Gönner zu Gönner, von Party zu Party bewegen und gut davon leben.