Am 1. Oktober 2013 trat mit Susanne Stürmer eine neue Leitung ihr Amt an, versehen mit der klaren Erwartung der Hochschule, die universitäre Ambition der HFF nunmehr zu realisieren. In ihren Gesprächen mit dem Landeshochschulrat und dem Senat im Zuge ihrer Bewerbung argumentierte sie, dass das Ziel Universitätswerdung nicht zum Selbstzweck werden dürfe. Die intendierten Veränderungen sollten in allen Bereichen ansetzen und nicht nur in speziellen Forschungsaktivitäten oder isoliert an Instituten ihren Niederschlag finden. Insbesondere der Dialog zwischen den Studiengängen und mit der Lehre müsse geführt werden. Universitätsmerkmale seien aus ihrer Sicht die Forschung und die Interdisziplinarität, beides solle befördert werden.
Ein Gespräch im MWFK am 16. Oktober 2013 mit der Ministerin Kunst und der neuen Präsidentin brachte Bewegung in die Frage des Universitätsstatus. Anhand konkreter Fragen der Ministerin wurden das Potenzial der HFF als Universität ausführlich diskutiert. Die Ministerin ließ sich überzeugen. Man einigte sich darauf, dass eine Expert*innengruppe den Weg begleiten solle. Nun ging alles recht schnell: Bereits am 20. Dezember 2013 unterzeichneten Hochschulpräsidentin und Ministerin den Hochschulvertrag für die Jahre 2014 bis 2018 und beschlossen damit die Transformation der HFF zur ersten deutschen Filmuniversität. Dort heißt es:
„Das Ergebnis der eingeschlagenen Profilentwicklung und Ziel im Vertragszeitraum ist die Umwandlung und der Ausbau der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ zur ersten Filmuniversität in Deutschland mit einer interdisziplinär orientierten künstlerischen, technologischen wie wissenschaftlichen Ausbildung und Forschung zum universellen Thema Film in seinen historischen, aktuellen und zukünftigen Dimensionen. Der Statuswechsel von der Kunsthochschule zur Filmuniversität wird im Jahr 2014 auf der Grundlage eines Struktur- und Entwicklungsplanes gemäß § 3 Abs. 2 BbgHG erfolgen.“ [1]
Im Rahmen eines Festaktes am 8. Juli 2014 wurde die Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF offiziell zur Universität.[2] Zugleich feierte die Hochschule ihr 60-jähriges Jubiläum unter dem Motto „Mauern haben uns noch nie aufgehalten.“ – ein Motto, das nicht zuletzt das jahrelange Ringen mit der Hochschulpolitik treffend beschrieb.
Die öffentliche Resonanz war umfangreich und positiv: „Erste Filmuniversität Deutschlands steht in Potsdam“[3] lautet eine Schlagzeile. Der damalige Oberbürgermeister Jann Jakobs schrieb:
„[…] in diesen Tagen wird die älteste Hochschule für Film und Fernsehen in Deutschland im 60sten Jahr ihres Bestehens Universität: ihr Name „Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf“. Was im ersten Moment wenig spektakulär erscheint, lohnt doch einer näheren Betrachtung, denn es ändert sich mehr als nur der Name. Mit der Umwandlung zur Filmuniversität kann die Forschungsarbeit intensiviert und diese noch besser mir ihrer praxisnahen Ausbildung verknüpft werden. Zukünftig wird die Universität im technologischen, medienwissenschaftlichen sowie künstlerischen Bereich verstärkt forschend tätig sein, neue interdisziplinäre Studiengänge anbieten und eng mit anderen Hochschulen, Forschungs- und Kultureinrichtungen sowie mit Wirtschaftsunternehmen kooperieren. Absolventen des Studiengangs Medienwissenschaften können dann direkt an der Filmuniversität promovieren.“ [4]
Trotz der jahrelangen Vorarbeiten erwies sich der Statuswechsel als ein „Sprung ins kalte Wasser“. Viel Arbeit der Profilbildung war noch zu tun. Wie mit Ministerin Kunst vereinbart begleitete zunächst eine weitere Gruppe von Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Praktiker*innen als sogenannte Peer Group den Prozess.[5] Sie tagte erstmals am 8. Juli 2014 mit dem Ziel, den Transformationsprozess der Filmuni zu begleiten. Als eines der ersten Statements formulierte Prof. Günther Stock, zu dem Zeitpunkt Präsident der Akademie der Wissenschaft Berlin-Brandenburg, in einem Schreiben an das MWFK vom 29. Juli 2014 die Einschätzung, dass die Filmuniversität Babelsberg eine zusätzliche finanzielle Fundierung benötigen würde. Damit wiesen die Mitglieder der Peer Group auf einen neuralgischen Punkt hin, nämlich die zu der Zeit magere finanzielle Ausstattung der HFF. In den letzten Jahren waren im Rahmen des Mittelverteilmodells des Landes die Finanzen der Hochschule sukzessive zurückgegangen. So war es eine der vordringlichen Aufgaben, diese zu stabilisieren und auszubauen. Neben deutlichen Aufwüchsen im Grundhaushalt trugen die im Laufe der Zeit wachsenden Drittmitteleinnahmen zu einer Verbesserung der finanziellen Situation bei.
[1] Hochschulvertrag für die Jahre 2014 bis 2018, hier S.13.
[2] Zuvor war am 04.07.2014 Gesetz-und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg das Inkrafttreten der Universität wie folgt erlassen worden: „Auf Grund des §2 Absatz 1 Satz 2 und des §31 Absatz 1 Satz 2 des Brandenburgischen Hochschulgesetzes vom 28.04.2014 (GVBI. 1 Nr. 18) verordnet die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur: §1 Änderung der typisierenden Bezeichnung „Die Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg ist mit Inkrafttreten dieser Verordnung Universität. Diese Verordnung tritt mit Wirkung vom 01. Juli 2014 in Kraft.“
[3] Die Welt am 7. Juli 2014.
[4] Jann Jakobs am 06.07.2014 in: Kolumne der Woche: „Erste Klappe“ für Filmuni.
[5] Die Mitglieder waren Prof. Dr. Günther Stock (Präsident Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften), Eva Blimlinger (Rektorin Akademie der bildenden Künste Wien), Prof. Dr. Horst Bredekamp (HU), Ulrike Schauz (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien), Prof. Dr. Christiane Voss (Bauhaus Universität Weimar), Volker Schlöndorff (Filmregisseur), Prof. Dr. Andreas Schreitmüller (ARTE), Prof. Dr. Mathias Schwarz (SKW Schwarz Rechtsanwälte), Prof. Dr. Dr. Rolf Emmermann (Landeshochschulrat), Clemens Klockner (Landeshochschulrat), Marc Nicolas (La fémis).