Exkurs II: Dieter Wiedemann: Persönliches
Als ich nach einem Bergunfall in den Karpaten etwas verspätet mein Weiter-Studium in Babelsberg beginnen konnte, war aus der Deutschen Hochschule für Filmkunst, die Hochschule für Film und Fernsehen der DDR geworden. Als ich dort ankam, durfte ich die Ausbildungsstätten in der Karl-Marx-Straße zunächst nicht betreten, weil ich nicht im Besitz eines Grenzsausweises war! Ich wurde auf das Studentendezernat verwiesen, das auf dem Berg offenbar nicht mehr zum unmittelbaren Grenzgebiet gehörte!
Als das geklärt war, traf ich dann auch meine Leipziger Kommiliton*innen wieder und bin in das Studierendeninternat in der Domstraße 1 eingezogen.
Die Filmwissenschaft wurde nun von Dr. Peter Wuss vertreten, einem in der Sowjetunion promovierten Vertreter einer „kybernetischen Ästhetik“ und zumindest für mich wichtigen wissenschaftlichen Betreuer!
Dennoch hatten die Befürworter einer „sozialistischen Fernsehwissenschaft“ inzwischen auch an der neu titulierten HFF das Sagen. Nicht unbedingt aber bei den immer noch von der HFF verantworteten „Filmwissenschaftlichen Beiträgen“!
In der Zeit meines Studiums an der HFF konnte ich in den FWB u.a. Beiträge von Hans Lohmann „Zur Klassifikation des Spielfilms“ und von Lasso Halasz „Der Einfluss des Films auf die Jugend“[1] lesen. Ein Jahr später war es die Antrittsrede des neuen Rektors der HFF, die besonders wichtig schien. Wie dem auch sei, in den FWB zwischen 1969 und 1972 dominierten vorrangig filmwissenschaftliche Beiträge!
1985 kam mein Freund und langjähriger Begleiter meiner wissenschaftlichen Arbeiten, Lothar Bisky, als Rektor an die HFF. Ich durfte als Angestellter eines Staatlichen Institutes der DDR seinem Wunsch, auch nach Babelsberg zu kommen, zunächst nicht folgen, habe aber Lehrbriefe für die HFF geschrieben, Vorlesungen gehalten und habe irgendwann den Titel eines Honorardozenten bekommen. Was aber für die HFF viel wichtiger war, war Lothars Einsatz für seine Studierenden! Es sei hier nur an die „Wendefilme“ von Studierenden aus Leipzig, Dresden und Berlin erinnert!
Im August 1989 habe ich dann einen Arbeitsvertrag mit der HFF „Konrad Wolf“ unterschrieben, um dort die filmwissenschaftliche Ausbildung und Forschung zu aktivieren!
Aber als ich in den ersten Tagen des Januar 1990 in Babelsberg landete, hatte sich nicht nur die politische Welt wesentlich verändert!
[1] FILM Wissenschaftliche Beiträge 1969