Zur Entstehung des Films:
Im Herbst 1991 war ich als Reporter in Hoyerswerda, einer Neubaustadt in Ostdeutschland, wo sich per Exempel soziale Ängste und rassistische Ressentiments von Teilen der Bevölkerung gegen Vertragsarbeiter aus Mosambique entluden. Es kam zu Überfällen auf das Wohnheim der jungen Männer und Frauen, die daraufhin aus der Stadt evakuiert werden muáten.
Zur bitteren Absurdität des Vorgangs gehörte auch, dass die mosambiquanischen Arbeiter ohnehin in wenigen Wochen Hoyerswerda verlassen hätten, denn mit der staatlichen Vereinigung Deutschlands waren ihre Arbeitsverträge ausgelaufen. Bezogen auf die ehemalige DDR mussten 14.000 Vertragsarbeiter und -arbeiterinnen in ihre Heimat zurück.
Ich entschloss mich, nach Maputo zu fahren, wo die meisten von ihnen nunmehr zu Hause sind, nachdem sie jahrelang in der sogenannten ersten Welt lebten. Ich wollte mit einer Filmreportage einige von ihnen zu Wort, ihre schwierige Zwischensituation zum Ausdruck kommen lassen: aus dem Gastland jäh abgeschoben, in der Heimat noch nicht angekommen, von der einheimischen Bevölkerung "Germans" genannt. Ich recherchierte drei Wochen und organisierte einen Mini-Drehstab (Kraftfahrer, Dolmetscher, Tonmann). dann kam der Kamerastudent Ren‚ Jung mit dem Equipment nachgereist, und wir hatten zwei Wochen zum Drehen. Eine Arbeit in stetiger Eile, mit stetigen Risiken: der Bürgerkrieg im Lande reichte bis an die Ränder der Hauptstadt Maputo und eine Dreherlaubnis wurde uns in keinem Fall erteilt.
Wie denken und fühlen die "Germans", gleichsam zwischen den Welten? Welche Wünsche und Träume haben sie? Mit einigen Antwortversuchen auf diese Fragen ist der Film ein Plädoyer für jene Menschen, die, nunmehr weitab von Deutschland und in einem der ärmsten Länder der Welt, zu den Verlierern der deutschen Einheit gehören.
Torsten Schulz, August 1993