Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg tauchte in Grzybowszczyzna, dem kleinsten Dorf in Ostpolen, ein Bauernprophet namens Elija Klimowicz auf. Der ,polnische Rasputin' baute eine private Kirche, vollbrachte Wunder und gründete in Wierzalin eine Sekte, die schnell in Konflikt mit den orthodoxen Popen geriet. Die Namen der Sektenmitglieder stammen alle direkt aus der Bibel. So kam es, dass es auf der Erde endlich echte Jungfrauen, die echte Mutter Gottes und den echten Erzengel Michael gab, der eigentlich Michael Miniuk heißt und heute der älteste Imker in Polen ist.
Der Mythos des Propheten Elija, der unter mysteriösen Umständen im September 1939 plötzlich verschwand, ist noch immer lebendig - bei seinen Jüngern genauso wie bei seinen Feinden. Manche sehnen die Rückkehr des verschollenen Wunderheilers und Welterlösers noch heute herbei. Die Angehörigen seiner Sekte (heute alt wie das Jahrhundert, damals um die zwanzig) graben vor der Kamera die Vergangenheit aus, um sich an den Propheten Elija, an das Zusammenleben mit ihm möglichst genau zu erinnern; wie sie damals versucht haben, die Bibel als eine Art Drehbuch zu verstehen und ihre Höhepunkte (einschließlich der Kreuzigung ihres Propheten und der Hoffnung auf das größte Wunder) wirklich zu erleben.
Die Recherche auf den Spuren des Propheten Elija ist voll von Wundern, von Leben und von Mythologie. Sie führt in die Gegenwart, hat kein Ende und skizziert ein fundamentales Thema der Menschheit im 20. Jahrhundert: eine Gruppe von Menschen, die ihr Leben entsprechend ihren Träumen gestalten wollen. Haben Sie vielleicht etwas von Elija Klimowicz aus Grzybowszczyzna gehört?
Der Film dokumentiert mit Mitteln der Detektivgeschichte die erwartete Wiederkehr des Propheten Ilja in Ostpolen (...). Die leitende Figur des Films ist der 90jährige Imker Michael Miniuk, der als einziger zu wissen vorgibt, wo die goldene Glocke der Kirche, die Ilja einst arbeitete, vergraben liegt. Alle InterviewpartnerInnen teilen ihre Spekulationen und ihren Glauben mit, ob der Prophet wiederkehrt. Der Kern des Films verflüchtigt sich, der Protagonist wird durch Mutmaßungen und Spekulationen festgeschrieben. Zuletzt wird die dauernde Möglichkeitsform des Films in einer Marienerscheinung, die freilich nicht ins Bild rückt, artikuliert. Die Kamera filmt die mit Ferngläsern auf die Erscheinung Starrenden, und der Ton fängt die divergierenden Meinungen ein: einige sehen, einige nicht, manche werden überzeugt, etwas zu sehen, andere sind sich unsicher, was sie sehen. [aus: Filmzeit, 5/6 1998 v. Bernhard Sallmann]
Dokumentarfilm, 154 Minuten, 35 mm