Am 3. Januar 1956 begann das DDR-Fernsehen noch unter dem damaligen Namen Deutscher Fernsehfunk (DFF) in Berlin-Adlershof sein Programm. Dass das Fernsehen bereits früh eine Rolle in der Deutschen Hochschule für Filmkunst spielte, zeigt die erste Informationsbroschüre, die 1958 unter dem Titel „Deutsche Hochschule für Film und Fernsehen" erscheint. In einem Ausbildungsdokument der Fachrichtung Regie für das Studienjahr 1960/61 ist zu lesen: „Das Studium hat das Ziel, den DEFA-Studios und dem Deutschen Fernsehfunk ideologisch und künstlerisch hochbefähigten Nachwuchs für den Regieberuf zuzuführen (…) Die Anforderungen an den Regisseur für Film und Fernsehen werden sich in Zukunft ständig erhöhen, weil immer neue technische Erfindungen und künstlerische Mittel der Kinematographie und der Fernsehtechnik für die Bildkünste nutzbar gemacht werden müssen.“ (in Schmidt, Margarete, 1974, S.64).
Ab 1966 wird die Einführung eines zweiten Fernsehprogramms (Farbfernsehen) durch Beschluss des Ministerrats offiziell vorbereitet. Um dem damit einhergehenden Bedarf an qualifizierten und spezifisch ausgebildeten künstlerischen und technischen Mitarbeiter*innen gerecht zu werden, wird das Ministerium für Kultur (MfK) zur Beihilfe verpflichtet, u.a. durch Erhöhung der Ausbildungskapazitäten für entsprechenden Nachwuchs auch an der DHF. Bereits mit dem Studienjahrgang 1968/69 wird dem Rechnung getragen und die Ausbildungsquote in einigen Fächern wesentlich erhöht. So gibt es im Jahr 1972 insgesamt 27 Kamera-, 28 Produktions- (1974 sogar 30) und 24 Regieabschlüsse. Über das MfK werden dabei zwar die zusätzlichen finanziellen Aufwendungen abgesichert, die prekären Produktionsgrundlagen der Hochschule jedoch nicht berücksichtigt.
Anlässlich des bevorstehenden 20. Jahrestages der Gründung der DDR geht das 2. Programm des Deutschen Fernsehfunks (DFF 2) am 3. Oktober 1969 erstmals auf Sendung. Und 10 Tage später, am 13. Oktober 1969, erfolgt - abgesichert durch einen Beschluss des Politbüros der SED – die Umbenennung der Deutschen Hochschule für Filmkunst (DHF) in „Hochschule für Film und Fernsehen der Deutschen Demokratischen Republik" (HFF).
Als Rektor treibt Lutz Köhlert die Fernsehausbildung voran. Neue "Studienpläne" werden "unter Einbeziehung von Praxispartnern des Fernsehens der DDR und der VEB DEFA-Studios erarbeitet" und eingeführt und den praktischen Filmübungen mehr Raum gegeben. Ein Rahmenvertrag mit dem Staatlichen Komitee für Fernsehen garantiert der HFF ab 1970 einen Sendeplatz ("Versuche") für die Film-, bzw. Fernseharbeiten des dritten und vierten Studienjahres. Für die Produktion sendefähiger Filme erhält die HFF neben Finanzmitteln u.a. Produktionskapazität (Aufnahme- und Endfertigungstechnik, Kopierwerkskapazität, Rohfilm) und Unterstützung bei der Beschaffung von Hilfsmitteln im Rahmen des Investitionsplanes sowie beim Erwerb abgeschriebener bzw. ungenutzter Studiotechnik des Fernsehens.
Die studentische Filmproduktion beinhaltet die Aufstellung eines s.g. „Thematischen Plans“ für das Studienjahr durch die HFF. Die vereinbarten Projekte werden im Rahmen eines „Ausbildungsfonds“ realisiert und nach Fertigstellung darüber entschieden, welche Filme in den Fernsehplan aufgenommen werden (ca. zwei Drittel). Diese werden dann wie Fernseh-Eigenproduktionen behandelt. Erwartet werden Filme „die den politischen Positionen der Mitglieder der Kommentatorengruppe der DDR-Publizistik im DDR-Fernsehen nicht widersprachen. (…) Ganz selten wurde ein Film ohne Auflagen abgenommen.“ (Egbert Lipowski in Schättle, Horst, 2004, S. 80). Immer wieder gab es auch Diskussionen mit dem Vorsitzenden des Gesellschaftlichen Rats der HFF, Karl-Eduard von Schnitzler, über das Verhältnis von künstlerischer Gestaltung einerseits und politisch-ideologischer Aussage andererseits. Und letztere haben Vorrang. So ist in den Vorbemerkungen zum „Thematischen Plan für das Studienjahr 1981/82 zu lesen: „Denn es geht um nichts geringeres, als daß ein neuer Jahrgang kommender Film-und Fernsehschaffender seinen Anspruch, seine Ideen aus dem gegenwärtig erreichten sozialistischen Bewusstseinsstand heraus formulieren und interpretieren will: Voraussetzung dafür ist die Erkenntnis, daß die Massenmedien Film und Fernsehen Kampfinstrumente und Machtinstrumente der Partei der Arbeiterklasse sind.“ Bei der Erweiterung der Ausbildung für Film und Fernsehen und der kulturpolitischen Einflussnahme und materiell-finanziellen Beteiligung des DDR-Fernsehens an der Hochschule bleibt dennoch die Unterstellung unter das Ministerium für Kultur bestehen.